Museum Direkt!

Archiv 2024

„Weserkies“ – heute geht es um Kunst + Kitsch

Blechschild

Hippieschuhe

Wildwest-Lampe
Das Ganze noch einmal zum Nachlesen:

Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von MUSEUM DIREKT!

Heute geht es um Kunst + Kitsch.

Was ist Kunst, was ist Kitsch?

Findet es selbst heraus.

Hier wirbt ein Blechschild für ein Nutzfahrzeugmuseum in Hartmannsdorf.

Nutzfahrzeug, das ist ein schöner Name.

Mehr sollte ein Auto nicht bedeuten, oder?

Da die Autos Oldtimer sind, ist es ein nostalgisches Blechschild in Himmelblau.

Wir verhökern das Ding für 4 Euro 50, exclusive Versandkosten.

Schreib an: regina.graaf@gmx.de

Stichwort: Blechschild.

Wer zuerst kommt, malt zuerst!

Meine Frau und ich nennen sie Mockturtles.

Frag uns nicht, warum.

Wir kauften sie in San Fransisco, in Ashbury Haight.

Nicht ganz billig.

Damals teuer, heute teuer.

Wir verhökern das Paar zu Weserkies-Preisen für ganze beachtliche 145 Euro, exclusive Versandkosten.

Schreib an: regina.graaf@gmx.de

Stichwort: Hippieschuhe

Wer zuerst kommt, malt zuerst.

Na, schon Kitsch gehört?

An dieser verdammten Lampe stieß ich mir oft den Kopf.

Sie hing in unserer Hütte, weit draußen gelegen.

Schließlich nahmen wir das Ding ab und unterzogen es einer Begutachtung.

Es gehörte dem Äußeren nach durchaus in diese Zeit.

Aber war das Ding echt?

Petroleumlampen im Wilden Westen brauchten ein Behältnis für den Brennstoff.

Hier sieht der so aus.

Darin schwamm ein Docht, der manchmal so breit wie ein Rolladenband sein konnte.

Der Docht ragte, nass wie er war, in den Lampenkörper hinein.

Mit einer Rändelschraube konnte der Docht noch weiter herausgefahren werden.

Dann war nach der Entzündung des Dochtes und des Petroleums in ihm das Licht heller.

Wollte man dimmen, drehte man den Dochtnach unten, verkürzte ihn also.

Zuletzt -„strike another match“ (Bob Dylan) entzündete man den Pedrodocht und stellte die Funzel auf den Tisch oder hängte die Lampe an einen Balken.

Bei den Kartoffelessern von Vincent van Gogh hängt so eine Lampe über der dampfenden Schüssel.

Aber das ist Malerei und hier haben wir ein Objekt,das mit Strom funktioniert.

Also, was soll der Behälter, wenn das Petroleum hier keine Rolle mehr spielt?

Das ist nicht mehr echt und deshalb ist die Lampe was?

Kunst oder Kitsch.

Trotzdem hübsch, nicht wahr?

Strom ist ja auch sicherer.

Wir verkaufen die Lampe im Wild-West-Stil für schlappe 18 Euro.

Schreib an: regina.graaf@gmx.de

Stichwort: Wild-West-Lampe

Wer zuerst kommt, malt zuerst!

Und damit verabschiede ich mich für heute.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen, wenn es heißt: „Weserkies-Wir verhökern Kunst + Kitsch“.

„RANZ“ – wie die Kunst einen neuen Duft bekam
Das Ganze noch einmal zum Nachlesen:

Wie die Kunst einen neuen Duft bekam

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Museum Direkt!

Heute erzähle ich euch eine neue Geschichte zum Thema Kunst und wie die Kunst einen neuen Duft bekam.

Vor gar nicht so langer Zeit war ich mit einem Kunstsammler befreundet.

Eines Tages drückte dieser mir ein seltsames Paket in die Hand.

Oben guckte eine Flügelmutter heraus.

Ich fand das so schön – dieses Packpapier – hier und dort schon eingerissen durch diese Flügelschraube, dass ich das Ganze gar nicht auspacken wollte.

Aber der Johannes – so der Name des Sammlers – wollte unbedingt, dass ich dieses seltsame Paket auspacke.

Nun gut, ich tat wie geheißen und siehe da, die Flügelschraube war Teil eines mysteriösen Kunstobjekts.

Ihm entströmte ein seltsamer Geruch: Es stank nach RANZ.

Später, zur Langen Nacht der Kultur 2024 (https://lange-nacht-der-kultur.de) stellte ich dieses Objekt unter dem Titel RANZ zusammen mit anderen Arbeiten aus der Schenkung von Johannes in meinem Museum aus.

Tatsächlich kamen viele Leute, um sich dieses seltsame Kunst-Ufo anzuschauen und vor allen Dingen an ihm zu riechen.

Nun waren alle reicher um einen neuen Duft der Kunstwelt, den ich zügig in Grasse – der Parfümstadt von Patrick Süskind – produzieren liess.

Auch die Kulturbehörde erwarb ein Fläschchen und ich habe den Eindruck, dass alle mit Kunst befassten Personen seitdem viel verständiger miteinander umgehen.

RANZ sei Dank!

„Autogeschichten sind ja Verdichter,
von denen ich nicht weiß, woher sie stammen.“

„Kapitän“

Das Ganze noch einmal zum Nachlesen:
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Museum Direkt.

Heute erzähle ich euch eine weitere Autogeschichte.

Autogeschichten sind ja Verdichter, von denen ich nicht weiß, woher sie stammen.

Kommen sie aus dem Motorraum?

An Technik, die uns helfen soll, bin ich nicht interessiert.

Bis jetzt kann ich mich noch nicht an einem Motor ergötzen.

Das Ding bleibt unter der Haube.

Was mein Auto mir bietet, ist sein Gehäuse.

Schön muss es sein, von innen wie von außen.

Und jetzt, meine Lieben, beginnt die Autogeschichte:

Nonne, mein Verwandter, ein Bestattungsunternehmer aus Glücksburg, fuhr so gerne Kapitän.

Er kam mit diesem Riesenopel nach Dormagen, weil er sich auf meiner Konfirmation zusammen mit Tante Herta, seiner Frau, die die Schwester meiner Oma Luise aus Flintbek war, mal ordentlich satt essen wollte.

Nonnes Schlitten parkte auf der anderen Seite unseres Hauses.

Ich ging um ihn herum, im Konfirmationsanzug gekleidet, studierte alles genauestens.

Da war die knüppelfreie Vorderbank, auf der mindestens 3 Erwachsene sitzen konnten, ein Kofferraum so geräumig wie ein Strandkorb und überhaupt war die Lackierung einmalig gelungen.

Ich vermag es nicht mehr zu sagen, war der Opel gelb oder war er grün – in so einem 50ziger-Jahre-Grün – also Kalkgrün?

„Was hättest du dir denn so gerne gewünscht?“, sprach Gott anlässlich meiner Konfirmation.

„Schwefelgelb“, ich gedanklich antwortend und dann schnurstracks in das Konfirmationshaus zurückwankend.

Schon 1968 – zum Zeitpunkt meiner Konfirmation, hatte ich den Seemannsgang von meinem Vater übernommen.

Zermatt war die Geliebte von Onkel Nonne. 1x im Jahr fuhren sie in die Berge.

Herta war nicht mit.

Sie hätte hinten für eine ideale Schwerpunktverlagerung gesorgt.

Nun fehlte was und der Wagen war instabil.

Prompt rutschte er seitwärts in eine Geröllelage.

Zermatt, auf der knüppellosen Vorderbank, saust den Abhang hinunter.

Die Bank als Piste, Nonne der Prellbock, dann die Tür, die aufspringt und sämtliches huminide Interieur in die Freiheit entlässt, das Datschental, das die beiden durchpurzeln, bis der Wassertrog unten im Tal, der für das Vieh in Wiesenhaltung gedacht war, den Prellbock für die beiden Purzler darstellt.

Spürbar ist der Aufprall, wie man es sich als Leser/in vorstellen kann. Vor ein Holz gesaust, weniger schlimm als vor ein Eisen.

Gott, dem Lackierer irdischer Autos sei Dank.

Nonnes Kapitän wird nun gehoben und auf die Pritsche eines Abschleppwagens gestellt.

Die Haut Route rund ums Matterhorn ist damit beendet.

Nicht das Auto, sondern die Fahrerinnen sind es, die für diesen Abschleppvorgang gegenzeichnen.

„Vom Kölner Klüngel und einem Kunstdisaster“

Personenzug

Papphammer

Einladungskarte für die ARTILLERIE
Das Ganze noch einmal zum Nachlesen:

Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Museum Direkt!

Heute erzähle ich euch etwas vom Kölner Klüngel und einem Kunstdisaster.

In meinem Personenzug sitzen ja viele:

Jürgen Kisters, Christian Merscheid und auch Heinrich Miess.

Alle in Köln lebend und in Sachen Kunst mächtig aktiv.

Was wundert es, wenn ich in den Jahren 1995 und 96 mit diesen Leuten als Künstler zu tun hatte?

Miess stellte mich aus. Nein, nicht so wie Gregor Schneider es gemacht hätte: Eine Leiche an die Wand nageln. Nee, so nich.

Ich blieb hinter den Kulissen im Ausstellungsraum der ARTILLERIE in der Zwirnerstraße.

Rosemarie Trockel trockelte vorbei und stieß einen Schrei aus, als sie meine Pappobjetke sah.

„Kinderkunst, alles Kinderkunst!“, meinte sie und verschwand.

Ein anderer wollte meinen Papphammer zu Klump hauen, aber Jürgen Kisters vom Kölner Stadtanzeiger konnte das im letzten Moment verhindern.

Meine Ausstellung wurde so erfolgreich, dass ich auch in der „Moltkerei Werkstatt“ von Christian Merscheid meine Kunstobjekte vorführen durfte.

Hier zeigte sich Köln von seiner biederen Seite. Meine Vorführungen waren reinste Innovationen auf dem Sektor Performance.

Allein, es passte nicht.

Merscheids Konzept waren Rauminstallationen toter Gegenstände wie monumentale Eisenwände quer ins schimmelige Gebäude gestellt.

Also gab es keine Fotos, auch keine von Doris Frohnapfel und so wurde man entlassen aus dem Kölner Klüngel. Also tot geschwiegen.

Aber ist das in Bremerhaven anders?